Der Moment ist gekommen: Du hast deine ersten Wellen in unserem Surfcamp in Arrifana gestanden, das Surf-Fieber hat dich voll gepackt und du bist bereit für den nächsten großen Schritt – das erste eigene Surfboard. Doch wer sich zum ersten Mal durch die Angebote von Surfshops oder Online-Marktplätzen klickt, wird schnell von Fachbegriffen wie Rocker, Rails, EPS oder Stringer erschlagen.
Die Wahl des richtigen Equipments ist beim Wellenreiten entscheidend für deinen Fortschritt. Ein falsches Board kann den Lernprozess um Monate verzögern und den Spaß im Wasser rauben. In diesem Guide erfährst du alles, was du über Materialkunde und die Auswahl deines ersten Boards wissen musst, damit du bei deinem nächsten Besuch in Portugal perfekt ausgerüstet bist.
Warum das erste Board über Erfolg und Misserfolg entscheidet
Im Surfsport gilt eine goldene Regel: Volumen ist dein bester Freund. Besonders zu Beginn deiner Surfkarriere benötigst du Auftrieb. Ein Board mit viel Volumen liegt stabil im Wasser, lässt sich leichter anpaddeln und verzeiht Fehler beim Take-Off. Viele Anfänger machen den Fehler, zu früh auf ein zu kleines Board (Shortboard) umzusteigen, weil es cooler aussieht oder leichter zu transportieren ist. Die Folge ist meist Frustration, da man weniger Wellen bekommt und die mühsam erlernte Technik leidet.
Materialkunde: Softboard – Epoxy oder Polyester?
Bevor wir uns den Formen widmen, werfen wir einen Blick auf die Konstruktion. Die Materialwahl beeinflusst nicht nur die Haltbarkeit, sondern auch das Fahrverhalten und die Sicherheit.
Das Softboard (Foamie)
Früher als reine Schulungsbretter belächelt, haben moderne Softboards heute einen festen Platz im Line-Up. Sie bestehen aus einem stabilen Kern, der mit einer weichen Schaumstoffschicht überzogen ist. Der große Vorteil: Das Verletzungsrisiko für dich und andere Surfer ist minimal. Zudem sind sie fast unzerstörbar und bieten extrem viel Auftrieb. Für die ersten Monate nach dem Surfkurs ist ein hochwertiges Softboard oft die klügste Wahl.
Epoxy-Boards
Diese Boards bestehen aus einem EPS-Schaumkern, der mit Epoxidharz laminiert wird. Sie sind leichter und robuster als klassische Polyester-Boards. Epoxy-Boards haben viel Eigenauftrieb und sind daher ideal für Einsteiger und Intermediates geeignet. Sie reagieren spritzig und sind sehr langlebig, was sie zu einer guten Investition macht.
Polyester-Boards (PU)
Der Klassiker unter den Surfboards. Ein Kern aus Polyurethan wird mit Polyesterharz überzogen. Diese Boards bieten ein sehr organisches Fahrgefühl und liegen „satter“ im Wasser. Allerdings sind sie deutlich empfindlicher gegen Schläge und Dellen. Für das allererste eigene Brett sind sie aufgrund ihrer Zerbrechlichkeit oft nur zweite Wahl.
Die verschiedenen Shapes: Welches Board passt zu dir?
Die Form (Shape) des Boards bestimmt, wie es sich in der Welle verhält. Für Einsteiger kommen meist drei Kategorien in Frage:
Das Longboard (9 Fuß und länger)
Longboards sind die Dinosaurier des Surfens – groß, majestätisch und stabil. Sie sind ideal für kleine, sanfte Wellen, wie wir sie oft in den Sommermonaten an der Algarve finden. Durch ihre Länge gleiten sie sehr früh an. Der Nachteil ist die Unhandlichkeit an Land und im Wasser (beim Durchtauchen der Wellen).
Das Mini-Malibu (7.0 bis 8.6 Fuß)
Das Mini-Malibu ist das ultimative Einsteigerboard. Es kombiniert die Stabilität eines Longboards mit einer etwas handlicheren Größe. Es hat eine abgerundete Nase (Nose), was das Anpaddeln erleichtert und verhindert, dass das Board beim Take-Off zu schnell eintaucht. Wenn du nach deinem ersten Kurs bei Mission to Surf ein Board suchst, mit dem du jahrelang Spaß haben kannst, ist ein Mini-Malibu die beste Wahl.
Das Funboard
Funboards liegen zwischen Mini-Malibus und Shortboards. Sie sind etwas schmaler und wendiger. Wir empfehlen diesen Shape erst, wenn du den Take-Off sicher beherrschst und beginnst, erste Kurven auf der Wellenfacette zu fahren.
Die richtige Größe finden: Länge, Breite und Dicke
Die Maße eines Surfboards werden traditionell in Fuß (‚) und Inch („) angegeben. Ein Board der Größe 7’6“ ist also 7 Fuß und 6 Inches lang. Neben der Länge sind die Breite und die Dicke entscheidend für das Volumen.
Als Faustregel für das erste Board gilt: Es sollte mindestens 12 bis 20 Inch (ca. 30-50 cm) länger sein als du selbst. Wer etwas schwerer ist, sollte zu einem dickeren Brett greifen, um den nötigen Auftrieb zu gewährleisten. Ein typisches Einsteiger-Volumen liegt je nach Körpergewicht zwischen 50 und 70 Litern.
Gebraucht vs. Neu: Worauf du beim Kauf achten musst
Der Gebrauchtmarkt für Surfboards ist riesig, aber tückisch. Wenn du ein gebrauchtes Board kaufst, achte auf folgende Punkte:
- Ding-Check: Hat das Board Risse oder Löcher? Wenn ja, wurde es professionell repariert?
- Gewicht: Fühlt sich das Board ungewöhnlich schwer an? Das könnte ein Zeichen dafür sein, dass es „gezogen“ hat, also Wasser in den Kern eingedrungen ist.
- Delamination: Findest du weiche Stellen auf dem Deck, wo sich die Glasfaserschicht vom Kern löst? Wenn ja: Finger weg!
- Finnenkästen: Wackeln die Finnen oder gibt es Risse um die Halterungen?
Zubehör: Was du neben dem Board noch brauchst
Mit dem Brett allein ist es nicht getan. Achte beim Budgetieren auf folgendes Zubehör:
- Leash: Deine Lebensversicherung. Sie sollte etwa so lang sein wie dein Board.
- Finnen: Meist beim Board dabei, aber achte darauf, dass sie zum Finnensystem (FCS oder Futures) passen.
- Boardbag: Schützt dein Brett beim Transport und vor UV-Strahlung.
- Wachs: Ohne Grip kein Stand. Achte auf die Wassertemperatur (für Portugal meist „Cool“ oder „Warm“).
Fazit: Lass dich nicht stressen
Die Suche nach dem ersten Surfboard ist ein aufregender Teil deiner Reise als Surfer. Überstürze nichts und teste nach Möglichkeit verschiedene Leihboards bei uns im Camp in Arrifana, bevor du dich festlegst. Unsere Coaches stehen dir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite und helfen dir, die richtige Entscheidung für dein Level zu treffen.
Das wichtigste Ziel deines ersten Boards sollte sein, dass du so viele Wellen wie möglich bekommst. Denn mehr Wellen bedeuten mehr Übung, mehr Fortschritt und letztendlich mehr von diesem unvergleichlichen Gefühl, das uns alle immer wieder zurück ins Wasser zieht.
Wir sehen uns im Line-Up in Portugal!




